Die Umgehungsstraße

Geisenfeld liegt verkehrstechnisch gesehen im Mittelpunkt Bayerns. Hier kreuzen sich die Verkehrsadern Augsburg – Regensburg, Nürnberg – München und Ingolstadt – Landshut. Im
vorigen Jahrhundert war das ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Entwicklung der Stadt und des Umlandes. Der zunehmende, immer stärker motorisierte Verkehr wurde jedoch durch die damit einhergehende Steigerung an Lärm- und Abgasemissionen mehr und mehr zu einer unerträglichen Belastung für die Anwohner.

Nach und nach wurden deshalb Umgehungsstraßen um die Zentren betroffener Ortschaften herum geplant und gebaut. Auch Geisenfeld hätte, wie viele andere Orte auch, in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kostenlos eine Umfahrung bekommen können. Leider war der damalige Stadtrat mehrheitlich mit den Stimmen der CSU und der Freien Wähler dagegen. Die Bundesstraße B300 von Augsburg nach Regensburg verläuft nur noch durch eine einzige Stadt und das ist Geisenfeld. Zusätzlich zur B300 führen auch noch zwei Staatsstraßen mitten durch Geisenfeld: Eine über Nöttinger Straße – Stadtplatz – Münchener Straße und eine weitere über Augsburger Straße – Stadtplatz – Münchener Straße. Deshalb wird der Stadtplatz heute täglich von ca. 25 000 Kraftfahrzeugen, darunter ca. 8 000 schwere Lastkraftwagen frequentiert.

Um diesem mittlerweile unerträglich gewordenen Verkehr entgegenzuwirken, wurde bei der Neuauflage des Geisenfelder Flächennutzungsplans in den 90er Jahren eine Entlastungsstraße im Nordwesten von Geisenfeld vorgesehen. Es war beabsichtigt, den Pendlerverkehr von und nach Ingolstadt und Manching vom Stadtzentrum fernzuhalten. Diese geplante Verbindung konnte jedoch bis heute nicht baulich umgesetzt werden.
Etwa zur Jahrtausendwende wurde vom Stadtrat aufgrund der starken Zunahme des Verkehrs eine Westumgehung für unbedingt notwendig erachtet. Der nördliche Teil davon sollte von der Stadt in Eigenregie als Staatsstraße in kommunaler Baulast errichtet werden, der südliche Teil vom Freistaat Bayern als Staatstraße. So wurde es dann auch mit dem Staatlichen Bauamt Ingolstadt besprochen. Die Stadt Geisenfeld hat zur Errichtung dieser Nordwest Umgehung das erforderliche Planfeststellungsverfahren eingereicht. Der benötigte Baugrund sollte teils durch Ankauf und teils durch Tausch bereitgestellt werden. Das Amt für ländliche Entwicklung in München hat sich angeboten, im Zuge eines speziellen Flurbereinigungsverfahrens unserer Stadt unter die Arme zugreifen. In den letzten Jahren konnte durch dieses Verfahren bei etlichen Straßenbaumaßnahmen in Bayern in kurzer Zeit der erforderliche Baugrund bereitgestellt werden. Dabei wäre jedoch die Kooperation aller beteiligten Grundeigentümer von Nöten gewesen.

Leider war dies in Geisenfeld nicht möglich. Es haben sich ca. ein Dutzend Grundeigentümer verbündet, um sich dem Grunderwerb durch die Stadt entgegenzustemmen. Dieses Verhalten ist aus meiner Sicht nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern auch kontraproduktiv für nahezu alle Interessensgruppen. Unser Bürgermeister ist einigen dieser Eigentümer sehr weit entgegengekommen. Die Bedenken über die Nachteile des einzigen Vollerwerbslandwirts, der sich unter den Grundeigentümern befindet, sind unbegründet. Dieser könnte sehr wohl so abgefunden werden, dass seine Existenz durch das Bauvorhaben der Stadt Geisenfeld keinesfalls gefährdet wäre. Das Planfeststellungsverfahren zieht sich so aufgrund von Einwendungen bis heute hin. Wir warten seit Jahren auf die Genehmigung.  Zur städtebaulichen Entwicklung hat der Stadtrat im Jahre 2017 ein Fachbüro beauftragt, ein Verkehrskonzept zu entwickeln und Möglichkeiten aufzuzeigen, den Verkehr im Geisenfelder Zentrum erträglicher zu gestalten. Wie in der GZ vom 19. Juni 2018 zu lesen war, ist die Umgehungstraße die einzige Möglichkeit, den bis 2030 um voraussichtlich ca. 30% zunehmenden Verkehr einigermaßen in den Griff zu bekommen, und so einen Kollaps zu vermeiden.

Da hilft es nicht, wie im Stadtrat zu hören war, an der Autobahnausfahrt in Langenbruck oder in Münchsmünster an der Bundesstraße B16 einige Verkehrsschilder aufzustellen. Ebenso abwegig ist derzeit eine Forderung, an der Augsburger Straße eine Fahrradspur einzurichten. Nicht auszudenken, wie beim derzeitigen Verkehr die Radfahrer buchstäblich unter die Räder kommen würden. Um den drohenden Verkehrskollaps zu verhindern, müssen folgende wirksame Maßnahmen dringend umgesetzt werden:


1. Neubau der Nord-West Umfahrung in kommunaler Baulast der Stadt. Hierdurch könnten die ca. 8000 LKW, die heute täglich durchs Zentrum fahren, aus dem Zentrum ferngehalten werden.

2. Neubau der Süd-West Umfahrung durch den Freistaat Bayern, möglichst zeitnah, so wie in den 90er Jahren mit dem Staatlichen Bauamt Ingolstadt vereinbart. Hier muss der Freistaat Bayern zu seinem Wort stehen. Diese Maßnahme darf nicht mehr nach hinten verschoben werden, sondern muss oberste Priorität werden. Eine Unterschriftenaktion der USB/ILM Fraktion soll hier unterstützend wirken.

3. Verteilung des zentralen Verkehrs auf mehrere Straßen. Die Verbindung vom „Aldi-Kreisel“ in der Nöttinger Straße zur Ingolstädter Straße muss baldmöglichst erstellt werden.

Wenn diese drei Punkte abgearbeitet sind, wird sich der innerstädtische Verkehr einem erträglichen Zustand nähern. Nur so könnten sowohl die B300 als auch die beiden Staatstraßen nach außen verlegt werden. Die Augsburger-, Regensburger-, Münchener- und Nöttinger Straße wären dann reine Innerortstraßen. Erst dann hätte die Stadt Zugriff, um verkehrsberuhigende Maßnahmen wie Radwege, Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Tonnagebegrenzungen anzuordnen. Um diese Ziele zu erreichen und damit die Stadt zukunftsfähig zu machen müssen alle Bürgerinnen und Bürger, vor allem Bürgermeister und Stadtrat an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen. Es darf nicht sein, dass durch den Boykott Einzelner das Wohl der gesamten Stadtbevölkerung leidet und für eine nachhaltige Lebensqualität der Stadt Geisenfeld erforderlichen Maßnahmen blockiert werden.